»Schmuck ist überflüssiger Luxus.«

Schmuck ist zu allererst ein ästhetischer, also sinnlich erfahrbarer Gegenstand, welcher, am Körper getragen, sich in seiner Wertigkeit durch Materialwahl und Verarbeitung gemeinhin von Alltagsgegenständen abhebt. Schmuck ist eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit und das Schmücken ein urmenschliches Bedürfnis. Es existiert kein bekanntes Volk, das keinen Schmuck trägt. In einer langen Tradition erfüllt er vielfältige Aufgaben – ist rituelles Objekt, Zugehörigkeits- und Abgrenzungsmedium, Identitätsstifter, vererbbare Wertanlage, Ausdruck des „Schönen und Erhabenen“, Paarungshelfer, Talisman, Bindeglied zwischen Menschen über die Zeiten hinweg und konserviert damit Bedeutung und transportiert Emotionen.

Schmuck ermöglicht Kommunikation und geht aus einer solchen hervor: Schmuckmacher und -träger treten in einen Dialog und schaffen einen gemeinsamen Sinnzusammenhang, der, insbesondere im künstlerischen Einzelstück, die Lebenswelt reflektiert und interpretiert. Es entstehen tragbare Metaphern. Doch auch das Massenprodukt geht, wenngleich indirekt, aus einem solchen Dialog hervor. In ihm mischen sich subkulturelle, historische und futuristische Elemente und ermöglichen dem Träger die Selbstinszenierung.

Wie kaum ein anderes Identifikationsobjekt ist Schmuck konstant, kompakt, mobil, autark.
Luxus ist, laut Duden, ein zur Lebenserhaltung nicht notwendiger, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand; auch von Prunk und Verschwendung ist zu lesen. Im Modell der Bedürfnispyramide nach Maslow sortieren sich menschliche Bedürfnisse nach Priorität: Auf erster Stufe stehen die Grundbedürfnisse mit höchster Relevanz – Nahrung, Schlaf und Wärme. Sicherheit, Ordnung und Schutz nehmen ihre Plätze auf der zweiten Stufe ein. Sind diese Bedürfnisse befriedigt, verlangt der Mensch nach sozialen Kontakten, Freundschaft und Liebe. Die vierte Ebene symbolisiert das Bedürfnis nach Anerkennung und die Spitze der Pyramide drückt das Verlangen nach Selbstverwirklichung aus.

Schmuck zählt seit jeher zu den Prestigeobjekten, die den sozialen Rang kennzeichnen. Sowohl kostbare Materialien und die Kunstfertigkeit der Herstellung, als auch immaterielle Gründe, wie die Selbstbelohnung und der ideelle Wert, machen ihn zum Luxusobjekt und dienen der Selbstverwirklichung. Doch der Luxusbegriff ist immer auch gesellschaftlichem Wandel unterworfen – was vor 100 Jahren als solcher galt, ist heute Standard. Biologen beschreiben das Streben nach Prestige als wichtiges Ziel des Verhaltens: Anerkennung, Autorität, Ruhm, Macht, Ehre ermöglichen es uns, den anvisierten Platz in der Gemeinschaft zu erlangen und zu behaupten. Ist das Trachten nach Luxus also immer noch Vergnügen oder schon Selbsterhaltungstrieb?